• Verlauf

Verlauf der Mainzer Republik

Die Mainzer Republik war die Zeit der Besetzung von Mainz und Umgebung durch französische Revolutionstruppen, verbunden mit dem ersten Auftreten einer demokratischen Bewegung in Deutschland zwischen Oktober 1792 und Juli 1793. Sie gliedert sich in drei, vor allem von der Kriegslage und der französischen Besatzungspolitik geprägte Phasen:

  1. Liberale Phase (Oktober - Dezember 1792)
  2. "Despotismus der Freiheit" (Januar - März 1793)
  3. Das belagerte Mainz (April - Juli 1793) und die Nachwirkungen

1792

20.9. Kanonade von Valmy
30.9. Vorstoß der Franzosen unter Custine von Landau durch Pfalz und Rheinhessen
21.10. Übergabe von Mainz an die Franzosen
23.10. Gründung des Mainzer Jakobinerklubs; Custine verkündet uneingeschräenkte Selbstbestimmung
3.11. 1. Mainzer Freiheitsbaum
12./13.11. Gründung von Jakobinerklubs in Worms und Speyer
18./25.11. Pflanzung von Freiheitsbäumen in den Mainzer Vororten
19.11. Einsetzung "revolutionärer" Verwaltungen: "Allgemeine Administration" für das besetzte Gebiet, "Munizipalitäten" für Mainz, Worms und Speyer
19.11. Paris: Beschluss des Konvents, alle ausländischen Revolutionäre zu unterstützen
2.12. Rückeroberung Frankfurts durch die Deutschen
14./29.12. Verfassungsumfrage in Mainz und 40 Dörfern, auf dem Land Mehrheit für die "fränkische Constitution"
15.12. Paris: Beschluss des Konvents, in allen besetzten Gebieten die Demokratie, notfalls mit Gewalt, einzuführen. Abkehr vom Selbstbestimmungsrecht

1793

1.1. Ankunft frz. Kommissare in Mainz zur Durchführung d. Dekrets vom 15.12.
13.1. 2. Mainzer Freiheitsbaum
10.2. Erlass einer Wahlordnung: Eidzwang, aber auch weitgefaßtes Wahlrecht
24.2. Offizieller Termin zur Wahl von Munizipalitäten und Konvent; In Mainz 8% Beteiligung, auch andernorts Widerstand um Boykott (bis Ende März)
17.3. Konstituierung des "Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents" in Mainz
18.3. Unabhängigkeitserklärung des "Rheinisch-Deutschen Freistaats"
21.3. Ersuchen um Anschluss dieser Republik an Frankreich
bis 31.3. Sitzungen des Mainzer Konvents, der 126 von über 700 Gemeinden Rheinhessens und der Pfalz vertritt
30.3. Einstimmige Annahme der Mainzer Reunionsbitte im Pariser Konvent; Rückeroberung des linken Rheinufers durch Preußen um Österreicher
14.4. Einschließung von Mainz; Beginn der Belagerung, Beschießung im Juni
23.7. Kapitulation der Franzosen, Abzug aus Mainz, Klubistenverfolgung